Spiegelungen - Die Geschwister Mendelssohn und Cholera/Corona

Donnerstag, 10. Juni 2021, 20 Uhr


Kammermusiksaal der Philharmonie
Herbert-von-Karajan-Straße 1, Berlin, 10785
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Unserer ursprünglichen Idee, das wohl bekannteste Komponistengeschwisterpaar der Musikgeschichte, Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) und seine Schwester Fanny, verheiratete Hensel (1805–1847), mit ihren Werken einander gegenüberzustellen, hat die gegenwärtige Covid-19-Pandemie eine ganz andere Spiegelungsmöglichkeit hinzugefügt: Die aktuelle Pandemie und die nicht weniger dramatische Cholera-Pandemie von 1826 bis 1837, die sich auch in Berlin 1831 in einer lokalen Epidemie niederschlug, weisen erstaunliche Parallelen auf. Nicht nur die Ähnlichkeit der Probleme und die Bemühungen um Immunisierung damals wie heute, auch die Versuche der Verdrängung und Leugnung lassen sich leicht wiedererkennen. Über all dies erfährt man Einiges aus den Briefen und Tagebuchaufzeichnungen Fanny Hensels, aus denen Thomas Lackmann, Stellvertretender Vorsitzender der Mendelssohn-Gesellschaft und selbst Nachfahre Fanny Hensels, in unserem Konzert lesen wird.

Im Alter von nur 26 Jahren schuf die begabte Komponistin 1831 ein gut halbstündiges chorsinfonisches Werk, das Oratorium nach Bildern der Bibel, das den Untertitel Musik für die Toten der Cholera-Epidemie 1831 trägt und stark von Erschütterung und dramatischer Emphase geprägt ist. Ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy musste 1832 aufgrund einer eigenen Choleraerkrankung einen Parisaufenthalt abbrechen. Der von ihm etwa im selben Alter vertonte 42. Psalms Wie der Hirsch schreit ist der Ruf eines Menschen in der Not, der jedoch von der Überzeugung getragen ist, in Gott Hilfe und Trost zu erlangen. Darüber hinaus erklingt Mendelssohns Choralkantate Verleih uns Frieden.

Dieses Konzert wird durch die Bayer AG gefördert.